Ratgeber Bulimie
Informationen für Betroffene und Angehörige
Was ist Bulimie (Bulimarexie, Bulimia nervosa, Ess-Brechsucht)?
Die Ess-Brechsucht gehört wie die Magersucht und die Esssucht (Adipositas) zu den Essstörungen . Menschen mit Adipositas nehmen in unkontrollierter Weise Nahrung mit hohem Kaloriengehalt in großen Mengen auf und werden dadurch gegenüber „Normalessern“ häufig ungewöhnlich schwergewichtig. Magersüchtige wiederum sind auf eine stark kontrollierte, möglichst geringe Nahrungsaufnahme ausgerichtet und erreichen so ein von ihnen erwünschtes, z. T. extremes Untergewicht. Bulimiker hingegen halten bzw. verringern ihr Gewicht dadurch, dass sie nach Essattacken die aufgenommene Nahrung zeitnah wieder erbrechen, bevor der Körper die Nahrung verwerten kann. Magersucht und Bulimie können in Kombination auftreten. Bulimiker können jedoch auch übergewichtig sein, meist jedoch sind sie im Hinblick auf ihr Körpergewicht unauffällig.
Am häufigsten von Bulimie betroffen sind junge Frauen ab einem Alter von ca. 17-18 Jahren. Risikogruppen sind speziell Menschen in Berufen, in denen ein geringes Körpergewicht erwartet wird (z. B. Models, Tänzer). Hervorstechendes Merkmal der Erkrankung ist, dass die Betroffenen von regelrechten „Fress“-Attacken heimgesucht werden, in deren Verlauf sie sich völlig unkontrolliert riesige Kalorienmengen einverleiben, indem sie wahllos Nahrungsmittel verschlingen. Aus Angst vor Gewichtszunahme bzw. aus Scham über ihren Kontrollverlust wird dann schnell Erbrechen herbeigeführt, um die großen Essensmengen wieder loszuwerden und das eigene Versagen gewissermaßen ungeschehen zu machen. Das Leben von Bulimikern ist geprägt von dem Bestreben, das Körpergewicht permanent zu kontrollieren. Dabei reicht die Bandbreite der Maßnahmen von übertriebenen sportlichen Übungen über Diäten bis hin zu Erbrechen, Missbrauch von Abführ-/Brech-/Entwässerungsmitteln und Hungerkuren.
Ein ganzes Kaleidoskop von seelischen und sozialen Problemen kann im Zusammenhang mit einer Bulimie auftreten. Hierzu zählen Depressionen, Minderwertigkeitskomplexe, Substanzmissbrauch (Alkohol, Drogen, Medikamente, Nikotin). Hinzu kommt häufig soziale Isolation als ein Extrem oder Leistungszwang und Karrierestreben als entgegengesetztes Extrem. Auch autoaggressive Verhaltensweisen können die bulimische Lebensweise begleiten.
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