Ratgeber Bulimie
Informationen für Betroffene und Angehörige
Wie wird Bulimie diagnostiziert?
Nach den Kriterien der American Psychiatric Association, die im Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-IV) zusammengefasst sind, ist eine Bulimia nervosa u. a. charakterisiert durch wiederkehrende Epsioden von Essanfällen mit dem Gefühl des Kontrollverlusts, durch wiederkehrendes unangemessenes Kompensationsverhalten zur Vermeidung einer Gewichtszunahme (z. B. Erbrechen, Missbrauch entsprechender Medikamente, Fasten, exzessive Sportausübung). Die Selbstwahrnehmung ist im Hinblick auf Figur und Gewicht realitätsfern und unangemessen: Die Betroffenen fühlen sich stets zu dick.
Nach der Art der Gegenmaßnahmen zu den „Fress“-Attacken unterscheidet man zwischen dem sog. „Purging-Type“ (Erbrechen, Missbrauch von Abführmitteln etc.) und dem „Non-Purging-Type“ (Fasten, exzessive sportliche Betätigung). Ein weiteres Kriterium für eine Bulimie-Diagnose ist die Häufigkeit der Essanfälle und der darauffolgenden Gegenmaßnahmen: Diese treten mindestens durchschnittlich zweimal wöchentlich über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten auf. Zur Unterscheidung von einer Anorexia nervosa vom bulimischen Typ wurde als Kriterium für die Diagnose Bulimie festgelegt, dass die bulimischen Symptome nicht ausschließlich während Episoden einer Anorexia nervosa auftreten.
Nach der internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) sind die Kriterien ähnlich definiert. Hier werden z. B. noch explizit angeführt die krankhafte Furcht, dick zu werden, die andauernde Beschäftigung mit dem Thema Essen und die unwiderstehliche Gier nach Nahrungsmitteln (der Begriff „Bulimie“ leitet sich ab von dem griechischen Wort „bulimos“ für „Ochsenhunger“). Zu den Essattacken wird ergänzt, dass binnen kurzer Zeit große Mengen an Nahrung verzehrt werden. Bei den Versuchen, dem dickmachenden Effekt der exzessiven Nahrungszufuhr entgegenzusteuern, wird bei den Kriterien des ICD-10 u. a. noch explizit der Missbrauch von Schilddrüsenpräparaten und Diuretika (Entwässerungsmitteln) erwähnt.
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